C-Kernel mit Grub

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

In diesem Tutorial werde ich beschreiben wie man einen in C programmierten Kernel mithilfe von Grub bootet.

Ich werde hier beschreiben, wie ich es unter Linux mache, unter Windows wird es sicher auch gehen (nur etwas anders).

Kernel

Der eigentliche Kernel soll ja in C programmiert sein. Ein Teil des Kernels muss aber immernoch in Assembler sein.

Kernel - C

Als erstes kannst du dir einen kleinen Test-Kernel ausdenken, oder einfach den hier benutzen:

 
int main() {
  // Pointer zum Videospeicher
  char *video = (char*)0xB8000;
  // String zum Ausgeben
  char *hello = "Hello World";
 
  // Zuerst den Speicher leeren
  for(video+=4000; video !=(char*)0xB8000 ;video--)
     *video=0;
 
  // String ausgeben
  while (*hello) {
    *video = *hello;
    video++;
    *video = 0x07;
    video++;
    hello++;
  }
 
  // jetzt wo wir schon im Kernel drin sind, wollen wir auch nicht mehr raus ;)
  while (1);
  return 0;
}
 

Kernel - Assembler

Dieser Code macht eigentlich nichts anderes als in die main-Funktion unseres C-Kernels zu springen.

 
global loader ; loader für Linker sichtbar machen
extern main   ; main-Funktion des C-Kernels
 
FLAGS    equ 0
MAGIC    equ 0x1BADB002       ; Magicnumber - Erkennungsmerkmal für Grub
CHECKSUM equ -(MAGIC + FLAGS) ; Checksum
 
section .text
align 4
MultiBootHeader:
  dd MAGIC       ; Magic number
  dd FLAGS       ; Flags
  dd CHECKSUM    ; Checksum
 
loader:
  mov esp,0x200000 ; Stack an die 2MB-Grenze platzieren
  push eax         ; Multiboot Magicnumber auf den Stack legen
  push ebx         ; Adresse der Multiboot-Structure auf den Stack legen
  call main        ; main-Funktion des C-Kernels aufrufen
 
  cli ; falls der Kernel bis hier her kommt, CPU anhalten
  hlt
 

Der Code sollte eigentlich gut verständlich sein, trotzdem ist noch was zu klären:

  • Die Flags können geändert werden, am besten schaut man sich die Multiboot-Spezifikation an.
  • Den Stack kann man natürlich an eine beliebige Stelle setzen, aber an der 2MB-Grenze wird er uns nicht stören.
  • Es wird die Adresse der Multiboot-Structure nicht umsonst an den C-Kernel übergeben. Am besten liest man so ziemlich am Anfang des Kernels die Informationen aus ihr. In der Multiboot-Structure steht z.B wie viel Speicher der Rechner hat, oder welche Module von Grub mitgeladen wurden.

Zusammenbauen

Nun müssen wir den Kernel "zusammenbauen". Dafür müssen wir den Assembler-Code assemblieren, den C-Code kompilieren und am Ende beides linken.

Assemblieren

Dies geschieht ganz einfach mit diesem Befehl:

$ nasm -f elf -o kernel_asm.o kernel.asm

Damit wird eine ELF-Datei erzeugt, die wir später noch linken können.

Kompilieren

Der C-Kernel wir mit diesem Befehl kompiliert:

$ gcc -ffreestanding -o kernel_c.o -c kernel.c -Wall -Werror -nostdlib -nostartfiles -nodefaultlibs

Damit erstellen wir eine Objektdatei, mit der wir nachher noch linken können. Es ist wichtig, dass keine Standardbibliotheken benutzt werden.

Linken

Meiner Meinung nach ist dies der schwierigste Teil des "Zusammenbauens". Beim Linken wird unser Assembler-Kernel und unser C-Kernel miteinander verbunden und es wird z.B dem Assembler-Kernel auch gesagt wo die main-Funktion des C-Kernels liegt. Wir brauchen erstmal eine Konfigurationsdatei für ld:

ENTRY (loader)

SECTIONS
{
  . = 0x00100000;
	
  .text :
  {
    *(.text)
  }
	
  .rodata ALIGN (0x1000) :
  {
    *(.rodata)
  }

  .data ALIGN (0x1000): 
  {
    *(.data)
  }

  .bss :
  {
    _sbss = .;
    *(COMMON)
    *(.bss)
    _ebss = .;
  }
}

Ich bin mir nicht 100%ig sicher ob dies die optimalste Linkerfile ist, aber sie funktioniert ;)

Nun wird gelinkt:

$ ld -T <LD-Konfigurationsdatei> -o kernel.bin kernel_asm.o kernel_c.o

Wenn man später mehr Dateien hat, können diese natürlich auch dazugelinkt werden. Man sollte den fertigen Kernel jetzt in einer Datei namens kernel.bin haben.

Grub-Image erstellen

Wir müssen jetzt natürlich noch ein Disketten-Image erstellen und dann Grub und unseren Kernel draufladen.

Floppy-Image erstellen

Wir erstellen uns erstmal ein Floppy-Image und formatieren es mit ext2. Es können auch andere Dateisysteme benutzt werden, z.B FAT, man muss nur drauf achten, dass Grub dieses Dateisystem unterstützt.

Mit dd erzeugen wir ein 1,44MB großes Floppy-Image:

$ dd if=/dev/zero of=floppy.img bs=1024 count=1440

Dann formatieren wir es mit ext2:

$ /sbin/mke2fs -F floppy.img

Dateien auf die Diskette kopieren

Jetzt mounten wir schnell das Image (ein Verzeichnis namens floppy wird benötigt)

$ mount -o loop floppy.img floppy/

und kopieren unseren Kernel drauf

$ cp kernel.bin floppy/

Grub muss auch noch drauf. Hierzu legen wir einen Ordner namens grub auf der Diskette an und kopieren stage1 und stage2 aus /boot/grub auf die Diskette.

$ mkdir floppy/grub
$ cp /boot/grub/stage1 floppy/grub
$ cp /boot/grub/stage2 floppy/grub

Wir brauchen natürlich noch eine Grub-Konfigurationsdatei. Diese sollte folgendermaßen aussehen:

default 0
timeout 10

title Mein super tolles OS
kernel /kernel.bin
root (fd0)

Die Konfigurationsdatei wird als floppy/grub/menu.lst gespeichert.

Jetzt können wir das Floppy-Image schon wieder unmounten

$ umount floppy/

aber Grub muss noch in den Bootsektor

$ /usr/sbin/grub

Und dann folgendes eingeben:

device (fd0) floppy.img
root (fd0)
setup (fd0)
quit

Fertig ist unser Grub-Image! Man kann es jetzt noch mit

$ dd if=floppy.img of=/dev/fd0

auf eine Floppydisk kopieren und damit booten. Wenn alles klappt seht ihr "Hello World" auf dem Bildschirm.

Vorschläge

  • Auf Dauer wird es anstregend die ganzen Befehl einzutippen. Am einfachsten ist es eine Makefile zu benutzen.
  • Um nicht immer neustarten zu müssen, kann man einen Emulator wie Qemu oder Bochs nehmen. Dann muss man das Image auch erst gar nicht auf Diskette kopieren.
  • Mit color light-blue/black light-cyan/blue in menu.lst kann man dem Bootloader Farbe verpassen.

Nachwort

Bei Fehlern in Text oder Code bitte an das Lowlevel-Team wenden.

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge